In aller Känguruhe

19.2.07

fährt und macht brumm ...

Jetzt hatten wir dann doch sehr lange Zeit, uns Gedanken zu machen, was für ein Auto wir für die Reise gern hätten.

Erfahrungsberichte kannten wir schließlich nur mit einem Ford Falcon, einem hier sehr gängigen - weil recht geräumigen - Backpacker-Kombi, in dem man auch eine Matratze unterbringen kann. Aber was soll ich sagen? Wir sind verwöhnt. Eigentlich nicht. Aber wenn man sich so sein künftiges "Zuhause" für die nächsten Monate aussucht, wählt man doch instinktiv etwas ... Gemütliches. Und mein Gedanke war: Ich will mich nicht INS Bett quälen müssen, sondern höchstens AUS dem Bett. Und dann und wann mal drinnen sitzen können wäre auch ganz nett. Kurz: Wir wollten einen VAN. Da ich immer wieder mal allein in der Stadt auf Achse war, konnte ich als alter Schwabe munter Langzeit-Preis-Studien anstellen. Im Internet, in den Hostels und im Work&Travel Office waren immer wieder angenehme Angebote zu finden. Wir waren also bestens vorbereitet.

Die engere Auswahl schauten wir uns an, und bereits das erste begutachtete Auto schien ein Glückstreffer. Ein hübscher roter Van, der sich von mir - mein erstes Mal Linksverkehr - anstandslos mehrmals um den Block fahren ließ. Schön gespültes Geschirr mit dabei und ein paar "TÜV"-Dokumente, mit denen wir uns natürlich überhaupt nicht auskannten. Nun ja, wir sind beide nicht so der Typ Mensch, der ohne Zögern das Erstbeste nimmt. Und da der Kerl, der das verkaufen wollte erstens dauerbenebelt und zweitens extrem unglaubwürdig schien und das Fahrzeug so alt war wie ich selber und noch älter aussah, ging die Suche weiter.

Um das Konzept "keine Bilder, dafür mehr Text" nicht überzustrapazieren: Ein paar Termine später standen wir vor unserem Traumauto. Ein weißer Van ("Ford Econovan", falls irgendwer damit was anfangen kann), 18 Jahre alt (für ein Backpacker-Auto normal), sauber schnurrender Motor, 2 Ersatzräder und jaja gutes Fahrgestell blabla. Es waren dann die inneren Werte, die uns noch mehr überzeugt haben. Dank 4 überdimensionaler Tupperdosen, müssen wir nicht "aus dem Rucksack" leben, sondern können die Klamotten bequem dort aufbewahren. Es gibt ein sauberes, großes und gemütliches Bett UND trotzdem noch Platz zum Sitzen und Essen oder Schachspielen oder gar Kochen. Bergeweise Camping-Equipment (Tisch, Besteck, Geschirr, Kocher, Reiseführer, Spiele, ...), Werkzeug, Wannen, Ersatzteile, Ersatz-Öl, Wasser- und Benzinkanister (Plural!), Ventilator, Lampen, MP3-CD-Player und noch viel mehr, was ich vergessen hab. Sogar Gewürze. Und natürlich Dokumente en masse, die man uns diesmal aber erklären konnte, denn zu allem Überfluß waren die Verkäufer auch noch deutsch, was komplizierteste Nachfragen extrem vereinfacht hat und nett waren sie auch noch! Was will man mehr?
Und so sind wir pro forma nach dem "Meeting" noch in eine große Auto-Verkaufs-Garage spaziert, haben dort noch etwa 5 weitere angeschaut um dann am nächsten Tag "in der Früh" zuzusagen. Und billiger ha'm wa's auch noch gekriegt (Kein Wahnsinns-Schnäppchen - dafür ist man bei solchen Anschaffungen dann doch zu vorsichtig - aber ein sehr gutes Angebot).

Hurra, die Vorfreude bekam einen irren Schub, natürlich werden wir die Wohnung hier vermissen, aber bei dieser Alternative jedenfalls nicht sehr. Fotos gibts aber erst, sobald ein geeigneter Hintergrund gefunden ist. "Stadt" gilt nicht.

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17.2.07

Happy Chinese New Year

Die farbenfrohe Parade zur Feier des Chinese New Year.

Fasnet, Fasching, Karneval gibts hier (glücklicherweise!) nicht. Aber EINEN Umzug haben wir uns trotzdem angeschaut. Das Jahr des Schweins hat nämlich angefangen. Und dieses wurde und wird hier in Sydney gerade in einer einmonatigen Feier eingeläutet. Unter Anderem auch mit "Chinese New Year Parade" bei der wir erstmals solche chinesischen Drachen sehen konnten. Bonbons wurden aber leider keine geworfen.

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10.2.07

Zum letzten Mal



Der gestrige Tag war ein Besonderer für mich, da ich nach 3 1/2 Monaten zum allerletzten Mal früh aufstehen musste, um zum Busbahnhof an der Wynard Station zu gehen, von wo aus ich mit dem Bus eine Stunde, über die Harbourbridge und am Operahouse vorbei, durch die nördlichen Vororte Sydneys bis nach Warriewood fuhr, wo ich nach 20-minütigem Marsch dann bei der Land & Sea Company ankam. Zum letzten Mal habe ich mich bei der Stempeluhr eingestempelt und dann den Tag damit verbracht, Schwimmflossen, Taucherbrillen, Neoprenanzüge, Schnorchel, Surfboards und allerlei andere Tauch- und Surfartikel zu verpacken und an verschiedene Sportgeschäfte in ganz Australien, Neuseeland, den Fidji-Inseln und weiter sogar bis nach Afrika zu versenden. Am Abend dann habe ich mich zum letzten Mal ausgestempelt, den Bus 1 1/2 Stunden zurück in die Stadt genommen, um erschöpft nach Hause zu laufen.

Als ich dort angefangen habe waren wir vier Backpacker und zu zweit in der Packabteilung. Als das Sommer-und Weihnachtsgeschäft im November losging, und da - wie ihr euch vorstellen könnt - Surfboards hier beliebte Weihnachtsgeschenke sind, bekamen wir richtig viel zu tun und auch Zuwachs: zwischenzeitlich waren wir bis an die 20 Backpacker aus verschiedenen Nationen (hauptsächlich Deutschland und Schweden) plus die fest angestellten Australier oder Neuseeländer, die im Lagerhaus oder in der Packabteilung (dort mit sieben Leuten) beschäftigt waren. Am Ende waren wir wieder nur vier Backpacker und davon zwei am Packen.


Auf dem Bild sind v.l.n.r. Anett (DK), Wibke (D), Anna (DK), Tyra (GB), Sönke (D), Melanie (D), Daniel (D) zu sehen, mit denen ich am längsten, nämlich über einen Monat, zusammengearbeitet habe.

Ich habe es dort tatsächlich am längsten von meinen Kollegen ausgehalten. Manche hatten schon nach einem Tag die Schnauze voll, andere sind nach ein paar Wochen weitergereist oder haben sich etwas anderes gesucht. Die Company an sich ist vergleichsweise ziemlich klein und könnte sich noch mehr Personal sparen, wenn sie ein effizientes Logistiksystem einführen würden. Es ist für Deutschland unvorstellbar durch wie viele Hände hier ein Produkt von der Ankunft an irgendeinem Lagerhaus geht, nachdem es zigmal umgestapelt und weitertransportiert wurde, auf Paletten, dann in Regale verräumt wird um letztendlich verpackt zu werden und dann noch 3-5 weitere Schritte durchläuft bis es von verschiedenen Kurieren abgeholt wird...Trotzdem nimmt der Chef sich und seine Firma sehr wichtig, fährt zwei verschiedene Porsche, sucht und findet immer etwas, meist Lächerliches, über das er sich bei uns Arbeitern beschweren kann, beobachtet immer aufmerksam seine Bildschirme der Überwachungskameras und motiviert seine Angestellten mit Schildern wie "Don't be part of the problem, be part of the solution!" oder "If in doubt, ask the RIGHT person!" und "Error free zone!", mit denen die Wände vollgeklebt sind. Aber wenn man sich von Anfang an eine gewisse Gleichgültigkeit ihm gegenüber aneignet, ist es dort ganz gut auszuhalten, denn es gibt sehr nette Kollegen und wir haben viel gelacht, auch wenn es immer wieder kleine Streitereien wegen der Musikauswahl gab, und man lernt viele neue Leute aus allen möglichen europäischen Ländern kennen.


Simon, Addy und Rob, die Festangestellten, mit denen ich täglich zu tun hatte.

So haben wir es also geschafft durch die stressigsten Zeiten zu kommen, in denen man immer wieder zu schnellerem Arbeiten angetrieben wurde, durch Tiefpunkte, in denen fast keine neuen Aufträge reinkommen und man in seiner Verzweiflung zum zehnten Mal den Boden fegt oder das Kartonlager aufräumt, um den Anschein zu erwecken "busy" zu sein; ich habe mitbekommen, wie Leute gefeuert wurden und neue kamen, wir haben geholfen die Firma vor dem Ruin zu retten, als sowohl nach den Weihnachtsfeiertagen als auch nach Silvester das gesamte Lagerhaus unter Wasser stand, dank eines Lochs im Dach, und wir mit allen zur Verfügung stehenden Plastikbehätern hereinströmendes Wasser auffingen bis ein Teil des Dachs dann völlig einbrach und wir mit Handtüchern und Wischmops auf dem Boden rumkriechen mussten und danach alle Produkte aus dem Lager ausräumen und wir haben höchstpersönlich drei Tage lang aufgeräumt, Fenster geputzt, Wände gereinigt, Staub gesaugt und gefegt, um einem der wichtigsten Kunden eine saubere Firma zu präsentieren.
Die ersten paar Wochen war ich nach der Arbeit sehr erschöpft, hatte Rücken- und Fußschmerzen, doch mit der Zeit habe ich mich an die Art von Arbeit gewöhnt und sogar in den wenig verbleibenden Stunden nach der Arbeit noch Sachen auf die Reihe bekommen.
Jeden Freitag gab es für zwei Dollar Barbeque und immer wenn jemand Geburtstag hatte wurde die Arbeit für fünf Minuten eingestellt, um ihm ein Liedchen zu singen und Kuchen zu essen. Sogar ein Bonussystem haben sie eingeführt, bei dem man, nachdem sich eine mutige Dänin für uns alle eingesetzt hatte, sogar die Chance hatte, hin und wieder ein paar Dollar extra zu verdienen, wenn man eine bestimmte Grenze an Output an seiner Bank geschafft hat.
Ich hatte also 3 1/2 Monate einen sicheren und regelmäßigen Job und konnte mir sogar etwas Geld ansparen, das für die Weiterreise am 22.Februar sehr hilfreich sein wird.

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1.2.07

The Schnitzel Challenge

v.l.n.r.:
Annika (hinter der Kamera), Simons Hand, Sönke, Addy, Daniel, Hendrik


Jetzt mal wieder ein Beitrag, der vermutlich eigentlich kein Schwein interessiert (außer vielleicht dem auf unseren Tellern). Annika's Arbeitskollegen führten uns ins Bavarian Bier Café, in welchem all-dienstäglich die Schnitzel Challenge durchgeführt wird. Das klingt nach viel Arbeit, ist aber ganz einfach. Wer leer isst, kriegt ä Zwetschgäwasser. Es war entgegen aller Erwartungen so gut wie in Deutschland; zu Trinken gab's Löwenbräu oder Franziskaner (unter anderem auf der Karte mit nem Schuss Cola oder Himbeer oder Lemon oder Lychee oder Schokolade ... die Verrückten!). Als kleiner Bonus für mich: Das Ganze war in Manly, so dass ich die Fähre nehmen konnte und eine kleine, günstige Hafen"rund"fahrt hatte.

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